Kritiken & Berichte

Hamburger Wochenblatt

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„RUHM macht Freude. Das gut aufgelegte fünfköpfige Ensemble spielt sieben der neun raffinierten „Ruhm“-Geschichten, die alle miteinander zusammenhängen.“ 

Hamburger Abendblatt (Vorabbericht)

Hamburger Abendblatt 24.10.17

Kehlmanns „Ruhm“ im Theater im Zimmer

Von Stefan Reckziegel

Theater im Zimmer: Fünf Darsteller spielen Daniel Kehlmanns furiosen Episodenroman. Regisseur Erik Schäffler und Ensemble feiern mit dem Roman des Bestsellerautors deutsche Erstaufführung in Hamburg.

Hamburg. Die Wege zum Ruhm sind beschwerlich, oft unergründlich. Dazu muss man gar nicht den von Regisseur Stanley Kubrick vor 60 Jahren verfilmten gleichnamigen Roman des Autors Humphrey Cobb heranziehen. Ruhm ist immer auch Teil des Theaterbetriebs. Erik Schäffler weiß das.

Seit Februar beschäftigt er sich mit „Ruhm“. Jenem Episodenroman von Daniel Kehlmann, der 2012 trotz namhafter Besetzung (Senta Berger, Stefan Kurt, Heino Ferch, Julia Koschitz) nur mit leidlichen Erfolg als Film in den Kinos lief. Davon ließ sich Schäffler, in der Hansestadt bekannt als Schauspieler und Regisseur beim jungen Open-Air-Klassiker „Der Hamburger Jedermann“, ebenso wenig abschrecken wie davon, dass es schon eine deutschsprachige Bühnenfassung aus Österreich gab.

Und so feiert „Ruhm“ in Schäfflers Version am Donnerstag deutsche Erstaufführung – für das traditionsreiche Theater im Zimmer die erste Eigenproduktion unter Jung-Intendantin Martha Kunicki. Zuvor war die weiße denkmalgeschützte Villa in Harvestehude bis Ende der 90er-Jahre regelmäßig Stätte zahlreicher Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Stücke gewesen.

“Ungewöhnlicher Autor“

Wie aber kam der Wahlhamburger Schäffler an den Stoff des Bestsellerautors Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“)? Seine Inszenierung „Angerichtet“ für das Lübecker Theater Combinale nach dem Roman des Niederländers Herman Koch habe offenbar Anklang gefunden, sagt der passionierte Theatermann nicht ohne Stolz. Sie war zu den Privattheatertagen 2015 in Hamburg eingeladen. Auch deshalb erhielt Schäffler vom wiederum zuständigen Rowohlt Theater Verlag auch die Aufführungsrechte für den „Ruhm“-Roman.

„Daniel Kehlmann ist ein ungewöhnlicher Autor“, sagt Schäffler. „,Ruhm‘ ist mit seinen pointierten Dialogen und witzigen inneren Auseinandersetzungen wie für die Bühne geschrieben. Mir hat aber auch gefallen, dass es mehrere Monologe gibt, die deutlich machen, was die einzelnen Figuren bewegt.“ Dass Kehlmann mit Realitätsebenen spielt, macht für den Regisseur einen zusätzlichen Reiz des Stückes aus. Da mimt ein Schauspieler etwa einen Schauspieler, oder ein Autor wird selbst Teil seiner Geschichten.

Das zweite große Thema in „Ruhm“, 2009 als Roman erschienen, ist daher jenes der Identität im Zeitalter von E-Mails und Mobiltelefonen, Facebook und Instagram. Welche Identität haben wir, und wie schnell lässt sie sich heute verändern, fragte sich Schäffler in Zusammenarbeit mit Dramaturgin Sonja Valentin. Alle Hauptfiguren verlieren oder vertauschen im Laufe der Zeit ihre Persönlichkeit. Statt neun wie im Roman sind es in ihrer Bühnenfassung nur noch sieben Figuren. Für dieses Spiel zwischen Schein und Sein sollen die Akteure den ganzen Saal nutzen.

„Ich sehe diese neue alte Spielstätte auch als Angebot, neue Theaterformen auszuprobieren“, sagt Schäffler. Und ergänzt: „Hätte ich dieses Ensemble nicht, hätte ich den Schritt nicht gewagt.“ Er selbst ist Teil der fünfköpfigen Gruppe, aber eher in Nebenrollen. Und statt nur auf 20.000 Euro Projektmittelförderung zu setzen, die Intendantin Kunicki von der Kulturbehörde bewilligt bekommen hat, hat Schäffler mit dafür gesorgt, dass sich das Budget dank der Hamburgischen Kulturstiftung, der Zeit-Stiftung, des Ida Ehre Kulturvereins und der IPT Immobilien-Investoren-Beratung verdoppelt hat. Was man eben für ein bisschen „Ruhm“ nicht alles mach

Persönliche Kritiken

Eine Kollegin auf Facebook am 19.11.17:
Liebe Hamburger Schauspielkollegen & Kolleginnen, BFFS- Mitglieder, UND….alle anderen! Heute mal Werbung in völlig uneigener Sache: Wer fünf fantastische Kollegen sehen möchte, in einem sehr fein von Erik Schäffler inszenierten Stück, der behalte „RUHM“ im Auge, www.ruhm-das-theaterstueck.de, im Theater im Zimmer. Wenn ich richtig verstanden habe, sind schon Vorstellungen dazugekommen und waren sofort wieder ausverkauft, es wird aber Anfang des Jahres neu aufgenommen. Also, reisst euch los von Netflix und Facebook, und ab ins Theater- es kann so toll sein, mit so spielwütigen und feinen Schauspielern. Es geht um Ruhm, die digitale Welt und das Leben im normalen Wahnsinn der manchmal gar nicht mehr eigenen und ziemlich vervielfältigten Identität. Danke an Mignon Reme, Tina Eberhardt, Erik Schäffler, Robin Brosch und Tommaso Cacciapuoti und das Haus TiZ: www.theater-im-zimmer.de

Abendblatt - Kritik der Premiere am 26. Okt. 2017

Hamburger Abendblatt 27. Okt. 2017

Neue Episoden zum „Ruhm“ im Theater im Zimmer

Von Stefan Reckziegel
Das Stück nach Daniel Kehlmanns Roman feierte in Erik Schäfflers Regie eine gelungene deutsche Erstaufführung an der Alsterchaussee

Es sind auch philosophische Fragen, die hinter Daniel Kehlmanns „Ruhm“ stecken. Den Episodenroman des Bestsellerautors („Die Vermessung der Welt“) als Theaterstück herauszubringen, ist leichter gesagt als getan. Mit der deutschen Erstaufführung hat das Theater im Zimmer jetzt viel gewagt – und recht viel gewonnen.

Ein Verdienst vor allem von Regisseur Erik Schäffler, der mit Dramaturgin Sonja Valentin die Bühnenfassung für die erste Eigenproduktion des Theaters seit 2002 erstellt hat. Die neun Episoden haben sie zu sieben verdichtet – auch das recht verschachtelt. Ins Stück packen die fünf Schauspieler viel, am Ende in den Saal sogar eine Windmaschine. Ein skurriles Gesamtwerk.

Angefangen bei Tommaso Cacciapuoti, der sich als Computertechniker Ebling zunächst fragt: „Wer ist dieser Ralf?“, dann aber recht schnell die Identität des Filmstars Ralf Tanner annimmt, dessen Nummer er versehentlich erhalten hat. Der Schauspieler selbst verleugnet sich und mimt später in Shows eine Imitation seiner selbst.

Robin Brosch spielt den Autor Leo Richter als larmoyanten Kotzbrocken, der auf seinen Auslands-Lesereisen hofiert und selbst Teil seiner Geschichten wird. Kein Wunder, dass sich seine neue Begleiterin Elisabeth, von Mignon Remé als toughe „Arztin ohne Grenzen“ verkörpert, sorgt, „dass ich irgendwann vor einer verqueren Kopie meiner selbst stehe“. Die Sterbehilfe-Story mit Richters Romanfigur Rosalie (Tina Eberhardt) gerät etwas zu lang. Womöglich ist es für Zuschauer die bessere Wahl, parallel in den Keller zu gehen und jener Episode von Schriftstellerin Maria Rubinstein (Remé) zu folgen, die spurlos in „Moldakistan“ verschwindet.

Im Saal nutzen die Akteure eine kleine Hauptbühne sowie zwei Podeste. Da ginge bühnentechnisch noch mehr. Indes bewährt sich die Anordnung, wenn Schäffler als Abteilungsleiter des Telekommunikations-Unternehmens und Fremdgeher buchstäblich zwischen zwei Frauen steht und als Verursacher des Nummernchaos entlarvt wird. Da macht Kehlmann richtig Spaß.

Mopo - Kritik der Premiere

„Ruhm“ im Theater im Zimmer Im Wahn des World Wide Web

Das Theater im Zimmer an der Alsterchaussee.

Hervorragend: Die Performance „Ruhm“ nach dem Bestseller von Daniel Kehlmann.

Viel Applaus und heitere Stimmung am kleinen, feinen Theater im Zimmer. Die Traditionsbühne an der Alster erobert das Publikum mit „Ruhm“. Die Performance nach dem gleichnamigen Episodenroman von Bestsellerautor Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“): Eine kurzweilig-kluge Betrachtung der Beziehungen des Menschen im Zeitalter von Internet, E-Mail und Handy (Bühnenfassung und Regie: Erik Schäffler).

Wie die weltweite Kommunikation den Menschen in seinem Verhalten und seinen Sehnsüchten verändert, zeigt die Geschichte des frustrierten Computertechnikers Ebling (Tommaso Cacciapuoti): Auf seinem neuen Handy erhält er ständig Anrufe, die gar nicht ihm gelten, sondern einem berühmten Schauspieler. Dessen Nummer wurde versehentlich auch Ebling zugeteilt, der nun allmählich das Leben des Stars übernimmt.

Hervorragend: Das fünfköpfige Ensemble, das in der Mitte des Saals auf drei Podesten agiert, bringt die Welt als ein System vernetzter Geschichten auf den Punkt.

Brigitte Scholz (Mopo, 30. Okt. 2017)

Hamburger Morgenpost

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„Eine kurzweilig-kluge Betrachtung der Beziehungen des Menschen im Zeitalter von Internet, E-Mail und Handy… Hervorragend: Das fünfköpfige Ensemble bringt die Welt als ein System vernetzter Geschichten auf den Punkt.“